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Im LeLac nicht publizierte Artikel
Erste obligatorische Kurse für Pferdehalter anerkannt Nicht nur die Hundehalter müssen sich gemäss der neuen Tierschutzverordnung ausbilden. Auch für die Haltung von Pferden, Ponys oder Eseln ist Ausbildung Pflicht. Das schweizerische Nationalgestüt SNG hat entsprechende Kurse ausgearbeitet und vom Bundesamt für Veterinärwesen anerkennen lassen. Seit in Kraft treten der neuen Tierschutzverordnung hat die Ausbildung von Tierhalterinnen und Tierhaltern an Bedeutung zugenommen. Neu wurde eine Ausbildungspflicht für die private Haltung ab 6 Pferden eingeführt (?Sachkundenachweis Pferdehaltung"). Gewerbliche Pferdehaltung von mehr als 11 Pferden setzt eine pferdespezifische Berufs- bzw. Hochschulausbildung oder eine ?fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung" mit theoretischem und praktischem Teil voraus. Erweitertes Ausbildungsangebot des SNG Als Kompetenzzentrum für die Pferdehaltung und Zucht räumt das Gestüt der Aus- und Weiterbildung von Pferdehaltern einen immer höheren Stellenwert innerhalb seiner Aktivitäten ein. Auf Grund der neuen gesetzlichen Ausbildungspflicht für Pferdehalter hat das SNG sein Ausbildungsangebot erweitert und vom Bundesamt für Veterinärwesen als erste Institution in der Schweiz die Anerkennung zur Durchführung der obligatorischen Pferdehaltungskurse erhalten. Sachkundenachweis für die private Pferdehaltung Das Ziel der eintägigen Ausbildung mit Sachkundenachweis ist es, die Grundsätze der tiergerechten Pferdehaltung zu vermitteln. Der Sachkundenachweis berechtigt zur privaten Haltung von über 5 Pferden. Programmgemäss werden die Rechtsgrundlagen aus der Tierschutzgesetzgebung, das natürliche Verhalten und die artspezifischen Bedürfnisse von Pferden besprochen. Ein weiterer Bereich ist die notwendige Tierbetreuung, das Erkennen der wichtigsten Erkrankungen und Verletzungen sowie deren Vorbeugemassnahmen. Die Grundlagen einer angepassten Pferdefütterung inklusive Einschätzung des Nährzustandes werden vorgestellt, die wichtigsten Giftpflanzen präsentiert. Nicht zuletzt werden die Gestaltung der Haltungsumwelt sowie die Aufzucht von Jungtieren besprochen. Sämtliche Bereiche werden von erfahrenen Spezialisten des SNG reich illustriert und leicht verständlich vorgetragen; viel Platz wird den Fragen, Diskussionen und dem Erfahrungsaustausch gewidmet. Fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung: Equigarde ® Der Lehrgang Equigarde ® vermittelt grundlegendes Know-how und befähigt die Pferdehalter, ihre Pferde tierge recht zu halten, sie gesund zu erhalten, verantwortungsbewusst zu züchten und gesunde Jungtiere heranzuziehen. Als fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung für Pferdehaltende berechtigt er zur gewerblichen Haltung (also z.B. Pensionspferde) von über 11 Pferden, wenn er mit einem mindestens dreimonatigen Praktikum ergänzt wird. In einem abwechslungsreichen Unterricht in angenehmem Ambiente werden theoretische Beiträge, praktische Übungen, Demonstrationen sowie Exkursionen geboten. An allen 22 Kurstagen, verteilt über ein Jahr, werden ausführliche Unterlagen abgegeben, welche ein hilfreiches Nachschlagewerk auch für die Zeit nach Abschluss der Kurse darstellen. Die Ausbildner sind erfahrene Fachpersonen des Gestüts aus verschiedensten Disziplinen. Teilweise wird das Team ergänzt durch externe Spezialisten. Der Lehrgang kann mit einer Prüfung und einem Zertifikat Equigarde ® abgeschlossen werden. Kursbroschüre 2009 Mit dem vorliegenden Angebot möchte das SNG seine Fachkenntnisse und Erfahrungen in Sachen Pferd an Interessierte weitervermitteln. Zudem soll nun die Lücke geschlossen werden, die seit Einführung der gesetzlichen Ausbildungspflicht im Pferdebereich entstanden ist. Kurse, wie sie in der neuen Tierschutzverordnung verlangt werden, wurden in der Schweiz bisher noch nicht angeboten. Die Kursbroschüre 2009 enthält die gesamte Ausbildungspalette des Gestüts für das laufende Jahr. Das Angebot reicht vom Einführungskurs bis hin zu Ausbildungslehrgängen und den gesetzlich vorgeschriebenen Pferdehalterkursen. Detaillierte Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter www.nationalgestuet.ch. oder von unserem Kurssekretariat unter 026 676 61 00. Kontakte / Auskünfte Schweizerisches Nationalgestüt SNG, Iris Bachmann, Verantwortliche der Unité formation, formation@haras.admin.ch, 026 676 61 00
Buch-Rezension Nicolas Dousse ?Double vie" Pierre Keller / Nach den zwei Titeln <Douce folie> (2006) und <A l'envers> (2008) des Erfolgsautors Nicolas Dousse ist soeben sein drittes Buch <Double Vie> (Thélès Verlag) erschienen. In seinem bekannten, flüssigen Schreibstil und mit eindringlicher, packender Bildsprache weiss er den Leser zu fesseln und lässt ihm auch in diesem Buch nur wenig freien Spielraum für Eigeninterpretationen. Der Geist des Protagonisten beherrscht die Szene wie der Teufel die Hölle. Was aber zu einem Doppelspiel des Lebens und dem Tod hätte werden sollen, verliert sich in einem Doppelspiel mit den Äusserlichkeiten der Handlung. Ein Buch, ein Titel, so, als hätten sich zwei Autoren die Erzählung geteilt. Der erste schafft es bis zur Mitte, der zweite von der Mitte bis ans Ende und was als brillantes Thema zu einem Höhenflug abhebt, verflacht sich bis ans Ende zu einer erzwungenen, unerklärlichen Alltagstrivialität. Mit diesem Themensprung kann nicht das <Double Vie> des Titels gemeint sein. Die am Anfang des Buches eingebrachte Thematik beschäftigt heute sehr viele Menschen, ein Durchdenken und Durchschreiben bis zur letzten Seite hätte aus dem Buch vielleicht ein Bestseller werden lassen. Wenn jetzt nachträglich nach einer Erklärung gesucht werden soll, drängt sich als Erstes eine gewisse - vielleicht vom Verlag gewünschte und eingebrachte? - Zweckgebundenheit auf, dem Buch eine breite Leserbasis zu verschaffen. Als Zweites erwäge ich die Möglichkeit, dass sich der Autor zu sehr mit sich selbst beschäftigt, die Themen in sich selbst hinein arbeitet, so, dass die Aussage den Leser nicht erreichen kann, was folglich zu dieser Zweckbindung führen muss. De facto und als Ganzes gesehen driftet das Buch in Richtung der heute gefragten Belletristik ab; spannend und unterhaltend geschrieben, aber ohne grosse Nachhaltigkeit. Gemessen an seinem literarischen Vorgänger <A l'envers> eine eher bescheidene, in sich kontroverse und substanziell nicht zureichend ausgeschöpfte und ausgereifte Arbeit.
Theater Le P'tit-trac, Grolley Theater ohne Publikum und Schminke
Pierre Keller / Theater an der Dorfbühne verspricht gute Laune, Entspannung und ungetrübtes Vergnügen fürs Publikum. Aber - jetzt kommt das grosse Aber – wie viel Arbeit und Engagement hinter einem Theaterstück steckt kann nur wissen, wer selber einen Probeabend mit der Truppe erlebt und mitverfolgt hat. Was später bei der Aufführung so spielerisch leicht und spontan aussieht, ist in Wirklichkeit ein präzises Agieren der SchauspielerInnen nach festgelegter Choreografie. Alle 15 LaiendarstellerInnen - noch ohne Kostüm und Maske - sind an diesem Probeabend anwesend. Die Verantwortlichen für Regie und Mise en scène überwachen und redigieren das Geschehen auf der noch nackten Bühne, und die Souffleuse hat alle Hände voll zu tun. Falscher Einsatz, falsche Position, falscher Text; noch wird gelacht und gewitzelt, Leistungsdruck verspürt noch niemand. Und dennoch: Bereits in wenigen Wochen an der Premiere muss jedes Wort und jede Geste sitzen, muss sich der Darsteller in seiner Rolle wohl fühlen und jede gespielte Szene muss natürlich und ungezwungen von der Bühne zum Publikum hinüber kommen. Regelmässig jedes Jahr inszeniert die Laienbühne von Grolley ein Theaterstück in der Auberge de la Gare, und jedes Jahr verzeichnen die ca. 50 aktiven Mitglieder einen Riesenerfolg. ?Der Leistungsdruck wächst schneller als unser Budget", gibt Regisseur und Präsident Bernard Gaillard zu bedenken. In der Tat sind Fr. 10'000.--, gemessen am Aufwand, ein bescheidener Einsatz, und ohne Benevolarbeit der Truppe, ohne grosszügige Gönner, Spender, Sponsoren und <Chapeau> am Ausgang wäre das Schicksal der Truppe bald besiegelt. Aber die Freude der Darsteller am Theaterspielen und das Vergnügen des Publikums, ein Theaterstück zu sehen, tragen das Unternehmen. So werden alle Freunde des P'tit-trac und des engagierten Theaterspiels auch dieses Jahr wieder auf ihre Rechnung kommen. Zur Aufführung gelangt der Schwank <Caviar ou lentilles> von G. Scarniccei/R. Tarabusi. Gespielt wird auf der Bühne der Auberge de la Gare in Grolley. Vom 26.-29. März und 2.-4. April jeden Abend um 20h. Familienvorstellung am Sonntag 29. März um 17h. Reservationen 079 552 07 70
Freiburg in Zürich
Fribourg fährt auf dem Flughafengelände Zürich. Ab sofort fährt ein neuer Bus, dekoriert mit einem Panoramafoto der Stadt Freiburg, die verschiedenen Terminals des Flughafens Kloten an. Der Freiburger Tourismusverband hat in Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus einen Bus lanciert, der mit einem Foto der Stadt Freiburg dekoriert ist. Der Bus Fribourg ist Bestandteil von sieben neuen Fahrzeugen, die mindestens drei Jahre in Betrieb sein werden. Verschiedene weitere touristische Regionen der Schweiz nehmen an dieser Kampagne teil. Ziel dieser Aktion ist es, Freiburg zu präsentieren und die Reisenden für die noch immer zu wenig bekannte, attraktive Stadt zu interessieren. Diese Promotion ist Teil der Kampagne ?Swiss Taste of Switzerland", im Rahmen welcher seit Ende August verschiedene Marketingaktionen lanciert werden, um den Kanton zu vermarkten. Unterstrichen wird das Ganze mit Publireportagen im Bordmagazin der SWISS und mit einem Video, welches an Bord gezeigt wurde.
Nant/Sugiez Aus Bevan wurde GOLDEN MOUNTAIN
Pierre Keller / ?Bevan SA in Salavaux ist Geschichte - aber aus dem Ehemaligen wurde etwas Neues, Zeitgemässes!" Mit dieser Botschaft laden Fritz und Rattana Bongni in ihr neues Möbelhaus Golden Mountain an der Rte. Principale 60 in Nant/Sugiez ein.Bereits im Herbst 2008 hatte sich das Ehepaar Bongni als Geschäftsführer von Bevan losgelöst und ist nun Besitzer des im Februar 2009 neu eröffneten Betriebs in Nant. Ein neues Geschäftsgesicht auf bewährten, bei einer grossen Kundschaft beliebten Strukturen. Die Ausstellung ist nun übersichtlicher und sorgfältiger gestaltet, die zum Verkauf angebotenen Objekte kommen in ihrer neuen, optimal geschaffenen Umgebung voll zur Geltung, und die Atmosphäre und Bedienung ist unter der Hand der Patrons Fritz und Rattana Bongni intimer, aufmerksamer und kundenfreundlicher geworden. Wie bis anhin dominieren auch im Golden Mountain englische Stil- und Polstermöbel, asiatische Möbel, eine grosse Auswahl an Spiegeln und Dekorationsartikeln wie Lampen, Bilder, Kissen und Kerzen. Neu im Sortiment sind ausgesuchte italienische Polstermöbel, die sich nahtlos ins Angebot eingliedern, und neu ist ebenfalls ein professionell arbeitendes Reparaturatelier, das auch Sonderwünsche wie Goldprägung auf Leder usw. zu erfüllen vermag. In der Gesamtübersicht hat der neue Betrieb nichts von der beliebten künstlerischen Ambiente eingebüsst und die neue Gartenschau mit zweckmässigen wie originellen Gartenmöbeln und ausgesuchten Dekorobjekten wird für Kunden und Publikum am 4. und 5. April als ein festliches Event eröffnet.
?Ich habe nicht wirklich ein politisches Vorbild" Interview mit Alain Berset
Alain Berset, Sie sind 36jährig zum Präsidenten des Ständerates gewählt worden. Sind Sie der Schweizerische Obama? Alain Berset lacht und antwortet: Ich glaube nicht. Natürlich wurde ich 31jährig in den Ständerat gewählt und hatte die Gelegenheit, für 2009 das Präsidium zu übernehmen. Ich glaube, dass dies auch für den Kanton Freiburg interessant ist, da ich viele Leute nach Freiburg und den Kanton in den Vordergrund bringen kann, was ich sehr gerne tun werde. Haben Sie ein politisches Vorbild? Ich habe nicht wirklich ein politisches Vorbild. Es gibt aber Persönlichkeiten, die mich inspiriert haben. Jean Jaurès (1859-1914) war eine grosse politische Persönlichkeit in Frankreich. In der Schweiz habe ich kein eigentliches Idol, doch hatte ich eine gewisse Achtung vor den politischen Aktionen Peter Bodenmann's als er SP-Parteipräsident war und auch eine grosse Achtung vor der Persönlichkeit von Jean-Pascal Delamuraz. Sind Sie mit der Abstimmung vom 8. Februar zufrieden? Ja, sehr. Als das Schweizer Volk 1992 den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum ablehnte, hat es sich klar für die einzige Alternative - die Bilateralen - entschieden. Wenn die Schweizer am 8. Februar nein gestimmt hätten, hätte ich nicht gewusst, welche Alternative es noch gibt. Für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze hätte ein Nein sich negativ ausgewirkt. Alle bestehenden Verträge zwischen der EU und der Schweiz wären in Frage gestellt worden. Was kann man machen, dass ein reicher Schweizer Bürger nicht mehr Steuern bezahlen muss als ein reicher Ausländer? Berset lacht: Ein Teil der Antwort wurde vom Zürcher Volk am 8. Februar gegeben ( Die Zürcher haben für die Abschaffung der Pauschalsteuern von reichen Ausländern gestimmt ). Der Kanton Zürich ist nicht irgendein Kanton, er hat am meisten Einwohner und gibt in vielen wichtigen Fragen den Ton an. Ist es richtig, dass zum Beispiel ein Johnny Hallyday 10x weniger Steuern bezahlt als ein Roger Federer, der gleichviel verdient? Die Pauschalsteuer ist entstanden, um reiche, nicht mehr berufstätige Ausländer zu besteuern. Da habe ich überhaupt nichts einzuwenden, denn bei diesen hat man nur ungenaue Angaben über das reelle Vermögen. Doch heute ist es so, dass viele dieser Leute, die pauschal besteuert werden, in der Schweiz zwar keiner beruflichen Aktivität mehr nachgehen, aber im Ausland noch sehr aktiv sind. Dies ist gegenüber einem inaktiven Schweizer ungerecht. Darüber muss man debattieren. Im Herz der Reflexion muss immer die Gleichberechtigung sein. Sobald das Einkommen bekannt ist, gibt es auch keinen Grund, eine Pauschalbesteuerung vorzunehmen. Auf dem Murtensee bezahlt ein Freiburger Bootsbesitzer 3x soviel Bootssteuern als ein Waadtländer, der auf dem gleichen See fährt. Ist dies nicht stupide? Dies ist eine Frage des Föderalismus. Wir sehen heute, dass die Kantonsgrenzen, die im Laufe der Jahrhunderte gezeichnet wurden, heute nicht mehr immer den Lebensräumen der Bevölkerung entsprechen, insbesondere in der Region der drei Seen. Als ich von Belfaux nach Neuenburg arbeiten ging, fuhr ich durch die Kantone Freiburg, Bern, Waadt und Neuenburg. Diese Kantonsgrenzen sind das Resultat einer langen Geschichte, die auch das Reichtum und die Verschiedenheit der Schweiz ausmachen, doch muss man heute sagen, dass dies auch zu Problemen führen kann. Muss man da nicht einiges überdenken? Ja sicher, man müsste mehr auf die Lebensräume und Regionen achten und nicht nur auf die institutionellen Räume. Es sollte nicht so sein, dass man wegen einer Kantonsgrenze rechtfertigen kann, dass es auf der anderen Seite doppelt so teuer ist. Immer mehr werden interkantonale Lösungen gesucht. Das interkantonale Spital und das Gymnasium der Boye sind gute Beispiele. Dies sind Aufgaben der Kantone, die ihre Bemühungen besser koordinieren und neue Lösungen erbringen müssen. Wissen Sie, man hat lange über die Schaffung von grenzüberschreitenden Regionen gesprochen und ich stehe positiv zu dieser Idee. Allerdings darf dies nie von oben diktiert werden, sondern muss von der Basis, vom Volk, kommen. Braucht es die heutige Steuerautonomie noch? Ich glaube, dass es auch heute noch gerechtfertigt ist, den Kantonen diese Steuerautonomie zu gewähren. Diese Autonomie muss gewisse Regeln haben. Es geht nicht, dass die Kantone alles machen können, es ist wie bei einem Fußballmatch, wo beide Mannschaften sich an die gleichen Regeln halten müssen, damit Fairplay garantiert ist. Der Kanton Freiburg wird nie in der gleichen Liga spielen können wie der Kanton Zug, ebenso wenig wie der Kanton Zürich. Hier genügen die Regeln nicht mehr, denn eine unloyale Steuerkonkurrenz benachteiligt immer diejenigen Kantone oder Gemeinden, die für eine grosse Infrastruktur aufkommen müssen. Funktioniert unsere Demokratie noch? Wenn Sie über die direkte Demokratie und die demokratischen Rechte sprechen, dann glaube ich ja. Sehen Sie das Resultat vom 8. Februar, das von der ganzen Welt kommentiert wurde. Kein europäisches Land kann sich erlauben, das Volk innert 15 Jahren drei oder vier Mal über ein so wichtiges Projekt abstimmen zu lassen. In diesen Ländern entscheiden die Parlamente. Bei uns hat immer das Volk das letzte Wort, dies ist manchmal viel schwieriger und geht länger, doch wenn ein Resultat da, ist dieses sehr stabil. Hat das System nicht Limiten? Ich sehe zwei. Die erste Limite ist die Komplexität der Objekte. Wir arbeiten in Kommissionen an einem Projekt, während 2-3 Jahren, und verstehen oft erst ganz am Schluss wie dies funktioniert. Daher ist es für den Bürger sehr schwierig, anhand der offiziellen Broschüre des Bundesrates zu begreifen, um was es genau geht. Die andere Limite, die ich sehe, ist die Untransparenz der Finanzierung der politischen Parteien. Gegenüber anderen Ländern sind wir hier im Rückstand. Bei uns gibt es überhaupt keine Transparenz über die Finanzierung der politischen Kampagnen. Müsste man die Unterschriftenzahl für Initiativen und Referenden nicht erhöhen? Nein. Jeder Verein kann mit einer Initiative kommen, aber ein kleiner Verein wird kaum 100'000 Unterschriften sammeln können. Es steckt eine grosse Arbeit hinter der Unterschriftensammlung, die nicht unterschätzt werden darf. Nur eine sehr motivierte Organisation kann genügend Unterschriften sammeln, d.h. 100'000 für eine Initiative und 50'000 für ein Referendum. Einer kleinen, unmotivierten Gruppe wird dies kaum gelingen. Wir haben 26 Kantone und über 2700 Gemeinden. Wären weniger nicht besser? Bezüglich Gemeindefusionen hat der Kanton Freiburg Pionierarbeit geleistet. Dieses System wurde von anderen Kantonen genau beobachtet und nachgeahmt. Eines unserer Probleme ist die Individualisierung der Gesellschaft. Es ist heute schwieriger Leute zu finden, die sich für ein Amt in der Gemeinde zur Verfügung stellen und bereit sind, auf Hobbys zu verzichten und weniger Zeit für ihre Familie zu haben. Auch weiss man, dass man in einem solchen Amt oft mehr Kritik als Lob erntet. Man müsste auch über die Entschädigung eines Gemeinderates nachdenken. In einer Gemeinde mit 3000 Einwohnern muss sich ein Gemeinderat auch während seiner beruflichen Arbeitszeit für die Gemeinde einsetzen. Die finanzielle Entschädigung durch die Gemeinde entspricht nie dem vollen beruflichen Ausfall, der dem Arbeitnehmer dadurch entsteht. Es gibt überhaupt keinen Anreiz für motivierte Leute, die sich für die Gemeinde einsetzen wollen. Natürlich kann man nicht darüber sprechen, wenn eine Gemeinde 300 Einwohner hat. Es braucht Fusionen, damit eine Gemeinde eine gewisse Grösse hat, die Frage der Entschädigung eines Mitgliedes des Gemeinderates muss geklärt werden und man sollte vielleicht der Individualisierung der Bevölkerung entgegenwirken. Die grosse Mobilität der Bevölkerung hat ihre Beziehung gegenüber den Autoritäten der Gemeinden und Kantone verändert und beeinflusst. Was sind die grössten Herausforderungen der Schweiz? Berset lacht und meint : Es gibt viele! Im Innern müssen wir die Zukunft des Föderalismus der Kantone mit den Autoritäten, mit der sozialen Kohäsion und einer gerechten Verteilung des Reichtums versöhnen. Wenn wir eine grosse Steuerkonkurrenz zwischen den Kantonen haben, dann haben nicht alle Kantone die Kraft, ihre Infrastrukturen zu entwickeln. Wir müssen auch die sozialen Organisationen wie AHV, Sozialhilfe und Arbeitslosenversicherung besser koordinieren. Wir müssen aktiv mithelfen, dass arbeitslose Personen sich weiterbilden und ausbilden können, um sie möglichst schnell wieder in die Arbeitswelt zu integrieren. Bezüglich AHV und Alterspolitik müssen wir eine Politik betreiben, die dieser Bevölkerungsschicht, gut zu leben und sich zu integrieren. Auf dem internationalen Parkett müssen wir als kleines Land versuchen, unsere wichtige Position, zu erhalten. Ich glaube, dass dies mit der Weiterführung der Beziehungen mit der EU gesichert werden kann. Wir befinden uns mitten in einer weltweiten Wirtschaftskrise. Funktioniert die freie Marktwirtschaft noch? Ich glaube schon, allerdings nur wenn man sich an gewisse Regeln haltet. Es ist immer eine Frage des Gleichgewichtes und der Stabilität. Was in den letzten Jahren schlecht funktioniert hat, ist, dass man die freie Markwirtschaft mit dem Ultraliberalismus verwechselt hat. Eine freie Marktwirtschaft will nicht heissen, dass es keine Regeln gibt. In Sachen Finanzen und Banken muss man diese Regeln überdenken und auch die Ethik wieder integrieren. Wissen Sie, man hatte oft die Mentalität, solange man sich nicht erwischen lässt, darf man alles machen. Das ist nicht das, was ich meinen Kindern lerne. Es gibt Regeln, manchmal auch Kontrollen, aber man muss sich auch an die Regeln halten, wenn keine Kontrollen gemacht werden. Bezüglich UBS: Sollte der Bund nicht mehr Einfluss haben, wenn er Milliarden in die UBS schiesst? Ich finde es richtig, dass man der Bank geholfen hat. Doch wenn man so viel öffentliches Geld in einen Betrieb investiert, dann muss man mindestens eine Kontrolle und auch das Recht haben, zu sagen, dass man mit einem Entscheid nicht einverstanden ist. Es ist nicht normal, dass die UBS mit den Bundesmilliarden, Milliarden Bonus an die Mitarbeiter bezahlt. Es ist skandalös, dass Bankdirektoren 20-25 Millionen im Jahr verdienen, auch in guten Zeiten ist dies nicht gerechtfertigt. Denken Sie, dass ein Staatsrat im Kanton Freiburg 200'000 Franken und ein Bundesrat 400'000 Franken verdienen, dies ist schon viel Geld. Ist es gerechtfertigt, dass ein Bankdirektor über 50x mehr verdient als ein Bundesrat? Alain Berset, werden Sie oder Urs Schwaller als Freiburger in den Bundesrat gewählt? Berset lacht herzhaft und meint : Freiburg hatte das Glück, bereits drei Bundesräte zu stellen, der letzte war Bundesrat Deiss. Ich bin nicht Madame Soleil, doch ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir Freiburger Parlamentarier die Interessen des Kantons optimal vertreten und gut zusammenarbeiten. In den letzten Jahren haben Urs Schwaller und ich, wenn es um die Interessen des Kantons ging, immer gleich abgestimmt. Sie können ihn ruhig fragen. Ich arbeite mit grosser Freude mit Urs Schwaller zusammen.
Alain Berset 9.4.72. Bürger von Misery-Courtion. Wohnort: Belfaux. Verheiratet mit Muriel Zeender, 3 Kinder. Beruf: Dr. oec. und Lic. ès sc. pol.. 1996-2000, Assistent Uni Neuenburg; 2000-2001, Gastforscher am HWW, Hamburg; 2002-2003, strategischer Berater im Volkswirtschaftsdepartement des Kantons Neuenburg; seit 2003, Ständerat; seit 2008, unabhängiger Strategie- und Kommunikationsberater; 2009, Ständeratspräsident.
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