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Olympische Sommerspiele in China

Sollen die Spiele boykottiert werden?

Kurt Rumo /   Ist es nicht im Grunde eine scheinheilige Diskussion, die da geführt wird? Dass Peking seine Macht und Ansprüche in Tibet mit brutaler Grausamkeit durchzusetzen versucht ist nicht erst seit diesen Tagen bekannt. Es dürfte schwierig sein, Menschen zu finden, die diese Politik für gut und richtig erachten. Das tun auch jene Sportlerinnen und Sportler nicht, die vom 8. August an unter dem Banner der olympischen Ringe im Reich der Mitte um Ruhm und Ehre kämpfen möchten. Die Politik sollte ihnen das nicht verwehren.

Die Vergabe der Spiele nach Peking barg viel Kalkül - und wurde politisch entsprechend bejubelt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC), dem damals noch der Spanier Jean Antonio Samaranch vorstand, heimste Beifall zuhauf ein. Das IOC ist ein Klub, eingetragen im schweizerischen Handelsregister in Lausanne, und ist aufgrund milliardenschwerer TV- und Werbe-Lizenzen stinkreich.

Er verfügt inzwischen über 25 Ehrenmitglieder, 115 Mitglieder und darunter sogar zwölf Frauen. Es wimmelt nur so von Aristokraten, Fürsten, Prinzen, Ex-Königen, Anwälten, Stahl-Baronen und echten Baronen. Und wenn die Spiele sind, kommen sie meist per erste Klasse aus allen Herren Ländern angeflogen, belegen die schönsten und teuersten Hotelsuiten, und manchmal werden einige in die Ehrenlogen transportiert, soweit es der angegriffene Gesundheitszustand zulässt. Das IOC ist doch ein Klub «der alten Männern». Sie haben zwar 1999 beschlossen, dass jedes Mitglied über 70 Jahren aufhören muss. Alle dachten: tolles IOC - geht ja richtig mit der Zeit. Aber alte Männer können auch ganz hinterlistig sein: Es gab da nämlich auch eine interessante Zusatzklausel: Jedes Mitglied, das bereits vor 1999 ins IOC gewählt worden war, darf seinen Sitz behalten, bis er 80 Jahre alt ist. Und das trifft heute immerhin auf 74 IOC Mitglieder zu....

Für einen Akt, der widersinniger kaum hätte sein können. Peking hat das Sportspektakel bekommen, weil sich das Konglomerat aus Sport, Wirtschaft und Politik fette Geschäfte versprochen hat - und diese auch tätigen wird. Die vielen Millionen, die Sponsoren wie McDonald's oder Samsung für das Spektakel ausschütten, werden vielfach zurückfliessen, weil 1,3 Milliarden Chinesen Burger essen und Flachbildschirme kaufen werden. All das hat man 2001 in Moskau gewusst, als die Spiele nach Peking vergeben wurden. Niemand hat damals gross protestiert, kaum einer hat die bekanntermassen totalitäre und menschenverachtende Politik der Chinesen anzuprangern versucht. Dollarzeichen hatte das IOC in den Augen, und alle haben sie den Treueschwüren der chinesischen Regierung geglaubt: China öffnet sich, China wird modern. Von wegen.

Das Fehlverhalten von damals jetzt mit einem Boykott korrigieren zu wollen, bringt nichts. China wird sich nicht erpressen lassen. Und lehrt nicht die Erfahrung, dass Olympia-Boykotte keine praktischen Effekte auf die Politik haben? Zugegeben: Dies alles wird ein Kraftakt sein - denn will man feiern, fröhlich sein, wenn anderen Ortes Menschen sterben? Aber auch wir müssen zugeben: So werden wir uns auch im August dabei ertappen, wie wir vor dem Fernsehschirm mitfiebern und bangen. Der Sport wird regieren, und Tibet wird in den Hintergrund treten. Traurig zwar - aber wahr.

 

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  Last Update
30.1.2012
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